Auf dem Weg zur Besinnung

Wege gibt es… überall. Und nicht alle führen nach Rom. Einige auch nur zur Besinnung, dem inneren Frieden. Der „Klaus und Dorothea von der Flüe“-Weg zum Beispiel.

Ich musste mal wieder raus und wollte über etwas nachdenken. Etwas wichtiges, was eine Entscheidung brauchte. Und dafür ist ein anstrengender Wanderweg nicht wirklich geeignet. Ich habe mich entschlossen, einen sogenannten Besinnungsweg zu gehen. Und bin in die Alta Badia gefahren, um von St. Kassian bis nach Armentarola gegangen. Es ist der so genannte „Klaus und Dorothea von der Flüe“-Weg.

Er ist nur sehr kurz, dafür aber intensiv, weniger wegen der Anstrengung, als wegen der Nachdenklichkeit, die er suggeriert. Er startet in Saré in St. Kassian und geht bis zur Kapelle ‚Sass Dlacia‘.

Interessant ist, dass es eine Holztür ist, die mir ’sagt‘ wo es lang geht. Die Kapelle erreiche ich nicht nach den 20 Minuten, die als Gehzeit angesagt sind, sondern erst 1,5 Stunden später. Ich halte immer wieder inne, setze mich, denke nach und gehe meiner Entscheidung entgegen. Vorgenommen habe ich mir, dass ich bei Ankunft bei der Kapelle meine Entscheidung fälle.

Übrigens: wer waren denn diese zwei Namensgeber eigentlich?
Nikolaus von Flüe, oder auch einfach Bruder Klaus, lebte Anfang des 15. Jahrhunderts und war eigentlich ein Bergbauer, Soldat, später Einsiedler, Asket und Mystiker. Und ist der Schutzpatron der Schweiz!

Er war als junger Mann Soldat und heiratete nach dem Alten Zürichkrieg Dorothea Wyss. Ganze 10 Kinder bekam diese. Diese verließ er allerdings als 50-jähriger und ging auf Pilgerschaft. Er kehrte doch bald wieder um und ließ sich in der Nähe seiner Familie als Einsiedler nieder, wo er noch ganze 20 Jahre betete und Visionen hatte.

Allerdings war er auch Seelsorger und geistiger Berater für so manches Staatsoberhaupt. 1947 wurde er heilig gesprochen.

Ganz groß ist aber auch Dorothea gewesen, die ihren Mann in seiner Berufung, die ja nicht wirklich familienfreundlich ist, zu unterstützen. Bei seinen unterschiedlichsten Ämtern ihm zu helfen, zu seinem etwas anderem Verhalten zu stehen, über das Gerede der Leute hinwegzusehen und ihn als ‚heiligen Mann‘ später neu zu lieben. Darstellungen ihrer zeigen sie als schöne, aber auch kraftvolle Frau.

Entlang des Weges finde ich unterschiedliche Zitate, Sprüche, die mich zum Meditieren anregen sollen.. und auch tun. Bänke laden mich zum Überlegen ein, ein Barfußpfad will mich die Natur unter den Füssen spüren lassen. Dazu kommt viel Panorama, das die Augen aber vor allem die Sinne ‚entschleunigt‘. Ein wunderbarer Weg, um sich gedanklich zu ordnen. Ich jedenfalls habe mich mit Ankunft an der Kapelle entschieden. Hoffentlich richtig!

eure Anna

Veröffentlicht von

Anna

Ich bin Anna, bin 48, habe 2 Kinder und liebe die Berge. Ich lebe dort wo es am schönsten ist: In Bruneck in den magischen Dolomiten. Ich schwimme für mein Leben gerne, meine Leidenschaft ist die Geologie und ich bin oft in den Bergen unterwegs, meistens mit meinen Freunden, denn meine Kinder sind erwachsen und außer Haus. Ich hoffe ihr habt Spaß beim Lesen.

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